DER VOLLE  NAME:

oder

wieso der Name Gallera für echten republikanischen Adel demokratischer Prägung steht

Die Bedeutung
des Titels
Baron:

latinisierte Form des germanischen Wortes "Faron", das soviel wie freier Mann, freier Herr bedeutete, aus dem Wort wiederum entstand das deutsche Wort "Freiherr". Modern ausgedrückt waren die Barone, die "Faron" oder später die Freiherrn die ersten Selbständigen, gewissermaßen der Mittelstand des Mittelalters. Und wie heute mussten sie sich damals schon der Mühlen der staatlichen Begehrlichkeiten erwehren. Der Grund: Titel wie Herzog oder Graf oder Marschall oder ähnliche Begriffe entsprangen einer Amtsbezeichnung. Der Titel Baron kennzeichnete dagegen eine so genannte Grundeigenschaft. Er war sozusagen das Gegenstück zum König. In extremen Fällen konnten sich Träger des Titels Barons jedem Ansinnen irgendwelcher Grafen oder anderer Amtstitelträger widersetzen und sich auf das Königsrecht berufen. Die Barone galten bei ihren Gegnern oft als stur, unbeugsam und unbequem. 

BARONE VON GALLERA:
italienisch, aus dem 9. Jahrhundert.
Freiherrn aus dem Winkel, Freiherrn v. Krosigk-Winkel, Familie von Manteuffel-Szöge
Fürsten von Anhalt-Dessau, Herren zu Schierau, Möst und Priorau
Ducs de Gramont, Marèchales  et Chevaliers Royale de France, Comtes de Bidache, D'Aure et d'Asté
Wer ist die Familie noch: Stammhaus des Hauses Wettin, Stammsitz der sächsischen Könige

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer waren die ersten Träger dieses Namens?

Sächsische Häuptlinge, eingesetzt von Karl dem Großen als Militärverwalter in der Campagna, Italien

 

 

 

Wo war der Stammsitz?

Am Lago di Braggiano in der Nähe Roms in der Burg Gallera, heute: Galeria. In mittelalterlichen Zeiten einer der Lieblingsaufenthalte der Anophelesmücke. Hätte es damals moderne Malariaforschung gegeben, hätten Forscher ihre helle Freude dran gehabt: Sowohl an der Mücke wie an den unzähligen in vivo-Fallstudien - den abenteuerlustigen Raufbolden, genannt Kreuzritter. Und was haben die Galleras oder die Galeras damit zu tun gehabt? Als die germanischen Barone der Campagna waren sie so etwas wie die bösen Buben der Region. Zumindest mal in den Augen der abenteuerlustigen kreuzfahrenden Extremtouristen. Wenn die es zu doll trieben, bekamen sie nämlich gar nicht erst die gelbe, sondern gleich die rote Karte gezeigt: Die ärgsten Rowdis wurden zur Läuterung auf eine Extrem-Fastenkur bei Wasser und Brot mt stationären schmiedeeisernen Kettenbeilage geschickt. Das ganze natürlich auf des Königs Kosten.  

 

 

 

 

 

 

Wie ging es weiter?

Gerhard von Gallera gehörte zu den Wortführern der Einsetzung eines Gegenpapstes in Avignon.

Dies führte zur ersten Spaltung der Familie: eine papsttreue Linie und eine reformerische Linie. Die Reformer-Linie musste aus Italien fliehen, Gerhard fiel den Häschern Roms in die Hände und wurde als Aufrührer zum Tod durch das Beil verurteilt. Seiner Familie gelang die Flucht ins Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Die Familie wechselt aus Schutzgründen den Namen und beginnt in der Nähe der Heimat ihrer Vorfahren ein neues Leben.

Die Barone von Gallera lassen sich im Harz nieder, in der Region, die der Winkel genannt wird. Im 10. Jahrhundert taucht dann ein Rudolfus de Angolo in einem Kaufvertrag über einige Häuser in Magdeburg auf. Jener Rudolfus heißt auf Deutsch : Freiherr aus dem Winkel. Die Familie  gehört zum Uradel und dem Kaiser direkt unterstellten Hochadel. Mangels nennenswerter Ländereien übernimmt die Familie reichshoheitliche Aufgaben in der Verwaltung. Unter anderem gehören dazu Aufgaben wie die Verwaltung und Bewachung der Reichsfestung Giebichenstein. Die Festung diente als Staatsgefängnis für festgesetzte hoch gestellte Persönlichkeiten, einer davon zum Beispiel Richard Löwenherz.

Die Familie aus dem Winkel bildet mit den Köhlers und den Krosigks einen Klan in Mitteldeutschland, gehört zu den Betreibern der Ostkolonisation. Als die Reformation beginnt, gehören die Winkels zu den Magdeburgischen Landständen und jagen den Erzbischof Albrecht vom bischöflichen Thron und führen den evangelischen Glauben ein.

Zeitgleich sorgen Mitglieder der Familie Gramont in Frankreich für die Ausbreitung der Lehre Calvins. Als es ungemütlich wird, fliehen sie nach Deutschland, nach Magdeburg. Dort kreuzen sich die Wege der Winkels und der Gramonts.

Eine Zäsur

Im 18. Jahrhundert geschieht ein einschneidendes Erlebnis: Christian Wilhelm aus dem Winkel ist als preußischer Gesandter während des Siebenjährigen Krieges am Hof zu Wien. Er lernt dort die Reichsgräfin Elisabeth, die Enkelin des alten Dessauers kennen, des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau. Die Familie ist auch bekannt als Haus Askanien.
Mit Elisabeth hat Leopold so seine eigenen Pläne: Die soll nämlich an den russischen Hof verheiratet werden, um Preußen Ruhe an der Front zu ermöglichen, im Kampf gegen Österreich. Der Heiratsplan geht schief. Warum? Die junge Elisabeth und Christian Wilhelm aus dem Winkel lernen sich kennen und lieben. Sie heiraten. Was ja eigentlich nicht weiter schlimm sein sollte. Ist es aber doch! Denn: Christian ist calvinistisch, Elisabeth ist lutheranisch und das tollste: Sie lassen sich von einem katholischen Pfarrer trauen. Elisabeth wird schwanger.

Als die Nachricht nach Preußen gelangt, sind weder der Alte Fritz noch der olle Dessauer aber auch nicht die Winkels über die Heirat und das daraus entstandene Kind sonderlich erfreut.
Was passiert? Wegen fehlender Einwilligung des preußischen Hofes, fehlender Einwilligung der Winkels  und außerdem sowieso nicht passender Konfession in dreifacher Hinsicht wird das Ehepaar getrennt, Elisabeth in Festungshaft gesetzt, das Kind wird ihr weggenommen und einem Dorfschulzen der Familie Winkel zur Adoption gegeben. Aber es kommt noch toller: Dem Kind wird die Fortführung des Namens Aus dem Winkel verboten, es darf sich nur noch Hochwohledelgeboren nennen und soll ansonsten den Namen der Schulzenfamilie führen. Die heißen zufälligerweise auch noch Schultze.

Nach gut 800 Jahren ist die Familie also plötzlich des Namens verlustig gegangen. Wie geht es weiter? Johann Christoph, der alte Christoph genannt, vertritt den Standpunkt: Was soll das ganze, ich weiß wer ich bin, das reicht! Er warnt seine Söhne, in einen Kampf um den Namen auszubrechen.

Der Kreis schließt sich


Der Widerstand hält nicht lange an, die Söhne nehmen den Kampf auf. Es soll nun sechs Generationen dauern, bis die Familie wieder einen adäquaten Namen hat. Wie heißt der Name: Barone von Gallera. Wie kommt es dazu? Siegmar Baron von Gallera, in Historikerkreisen besser bekannt als Siegmar Baron Schultze-Gallera (SSG), wurmt die Angelegenheit mit dem verhunzten Namen: Er versucht alles und sämtliche beruflichen und sozialen Kontakte, um der Familie vm Namen Schultze weg und wieder zum rechtmäßigen Namen zu verhelfen. Das höchste der Gefühle, trotz bester Beziehung zum preußischen Königshaus: Wenn, dann gebe es nur den Namen von Winkel und nicht "aus dem Winkel".

Die Zurückhaltung bei Hofe hat ihren Grund, wenn auch nur einen protokollarischen: Das Prädikat "aus dem" ist im deutschen Sprachraum einmalig und weist das Geschlecht als europäischen Uradel aus, mehr noch als dem Kaiser gleichgestellt und damit höher im Rang als der König. Ein Umstand, der aus jeder königlichen Sicht natürlich  unerträglich ist, wenn die Familie, die den Namen trägt, alles andere als königstreu, sondern sehr kritisch ist. Der Hof lehnt also die ordnungsgemäße Rückgabe ab und verlangt für das simple "von Winkel" einen Gegenwert von rund zwei Millionen Mark (nach heutiger Rechnung. Das sah nun wieder SSG nicht ein. Er wurde zusehends zum Regimekritiker, brachte sich damit um eine gut dotierte Professorenstelle an der Friedrichs-Universität in Halle (seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts Martin-Luther-Universität) und liebäugelte zeitweise mit dem Umzug in die Stadtrepublik Hamburg oder sogar einem Wegzug aus Deutschland in die Schweiz. In den Republiken galt nämlich das freie Namensrecht und die königliche Wegnahme des Familiennamens hatte dort keinen Bestand.

Die Barone von Gallera:
Adel von Republiks Gnaden :-)

Diesen Absichten machte der Erste Weltkrieg einen Strich durch die Rechnung. Die Familie bleibt in Magdeburg und Halle.  SSG grummelt wütend vor sich hin. Durch Freunde erscheint der rettende Lichtstreif am Horizont: Aus Breslau dringt die Kunde von einem kinderlosen weitläufigen Verwandten an SSG`s Ohren. In der schlesischen Stadt soll ein Arthur Baron von Gallera als wenig erfolgreicher Immoblienmakler sein Dasein fristen. Der Mann ist klamm, könnte ein wenig Geld gebrauchen und zudem ist er mit der Familie Manteuffel-Szöge verwandt und aus der stammt die Frau des alten Christoph, Theodora. Alles Gründe, die SSG schließlich bewegen, die komplette Familie von dem armen Verwandten gegen gutes Geld adoptieren zu lassen. Als Berlin davon Wind bekommt, hält die Hofschatulle die Hand auf. Die Adoptionspläne werden auf Eis gelegt. Kaum ist der Weltkrieg vorbei und der Kaiser im Exil, kaum ruft Scheidemann ind Berlin die Republik aus, jagt SSG samt Familie nach Breslau: Der Adoptionsvertrag wird perfekt gemacht. Fortan gilt sowohl der Name Barone von Gallera und wenig später durch endgültige Aufhebung der Namenswegnahme durch das preußische Königshaus hat auch wieder der Name Freiherrn aus dem Winkel seine namensrechtliche Bedeutung wieder.

EPILOG

Doch bekannt wurden die letzten fünf Generationen der Familie unter dem Namen "von Gallera": SSG begründete als erster in Deutschland die Wissenschaftsdisziplin der Regionalgeschichte an der Universität Halle. Zudem lieferte er als Literaturhistoriker Grundlagenwerke über den jungen Goethe. Außerdem setzte SSG die Beschreibung der Geschichte Halles durch Olearius und Dreyhaupt mit seiner "Topographie der Stadt Halle an der Saale" fort.

SSG`s Sohn  Dr. Karl Siegmar von Galera (KSG) (ein L zur Unterscheidung vom Vater) sorgte durch Auswertung zeitgeschichtlicher Akten für das führende Grundlagenwerk über die Geschichte der Weimarer Republik (Geschichte unserer Zeit). Das Werk hatte bis 1995 Grundlagencharakter. Abgesehen davon verfasste KSG Werke zu politischen Führungspersönliochkeiten seit der Gründung des ersten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden KSG und seine Familie durch die deutschen Kommunisten nach dem Abzug der sowjetischen Besatzung als Staatsfeinde durch ein politisches Unrechtsurteil um die gesamte soziale, wirtschaftliche und beinah auch um die physische Existenz gebracht. (Einzelheiten des Urteils werden zu gegebener Zeit hier veröffentlicht). Die Familie, die von den Alliierten laut Kontrollratsnbeschluss als eine der wenigen deutschen Familien nicht nur als nichtbetroffen, sonder als Opfer des Faschismus eingestuft wurde, wurde durch das Urteil somit auch zum Opfer deutscher kommunistischer Unrechtspolitik. Die Folgen waren fast noch mehr einschneidend als die Namenswegnahme im 18. Jahrhundert: Sämtliche Vermögenswerte wurden eingezogen, die Werke KSG auf den Index gesetzt, er selbst wie schon unter den Nazis mit einem Veröffentlichungs -und Lehrverbot belegt. Zudem wurde er zu fünf Jahren Zuchthaus bei erschwerten Bedingungen verurteilt.

KSG`Frau und die Tochter mussten das Haus verlassen, fanden im nordrhein-westfälischen Opladen eine neue  Bleibe.  KSG`s Sohn Herman Gero Baron von Gallera (HGG) hatte sich ins westliche Berlin schon früher abgesetzt. Seinem Vater hatte er schon früher zur Flucht geraten. Doch der hatte nur gemeint: "Nach dem braunen Gesindel können wir das Land jetzt nicht diesen deutschen kommunistischen  Verbrechern überlassen." 

In der Bundesrepublik schuf KSG im Rahmen von Auftragsarbeiten verschiedenen Grundlagenwerke für Regionen im Bergischen Land und im Vogelsberg. Außerdem lieferte er die erste Nachkriegsbearbeitung der Wildtöter-Romane von James Fenimore Cooper.

 

Noch während seines  Jurastudiums hatte HGG begonnen, für das Ostbüro der SPD zu arbeiten. Das Ziel: Nachrichtendienstliche Aufklärung über die bevorstehende Zwangsvereinigung der SPD mit der KPD zur SED in der noch jungen DDR. Später wechselte HGG, der  zeitweise enger Vertrauter von Willy Brandt war, ins das ebenfalls noch taufrische Landesamt für Verfassungsschutz des Landes Berlin. Dort schuf er als Mitglied des Ressort Rechtsradikalimus das Wort "Neonazi" und trug maßgeblich zur Zerschlagung der Gruppe um Major Rehmer (SRP- Sozialistische Reichspartei) bei.

 

Gegenwärtig wird die Familie von Christoph Georg Baron von Gallera repräsentiert. Welche bedeutsame Spuren dieser Träger des Namens Gallera gesetzt hat, setzen oder noch setzen oder später einmal gesetzt haben wird - das wird  die Geschichte irgendwann einmal unseren Kindern und Kindeskindern erzählen. Zumindest in beruflicher Hinsicht hat sich der Name mittlerweile etabliert.